Wirtschaftliche Tätigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe muss mehr berücksichtigt werden. Fördermittel in erster Linie für den Umwelt- und Naturschutz, nicht um Flächen zu erwerben und zum Großgrundbesitzer zu werden.
„Was bleibt von unserer Kulturlandschaft?“ fragt Jens Schreinicke von der Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft den Direktkandidaten des Wahlkreises 20, Daniel Mühlner, CDU, und beantwortet die Frage gleich selbst: „Sumpf, Mücken und Bremsen, der Rest ist zerstört“. Auch andere Anwohner der Nuthe-Nieplitz-Niederung sind über die fortschreitende Wieder-vernässung aufgebracht. Der CDU-Politiker hörte bei seinem Besuch in Nuthetal von zerstörten Orchideen- und Blühwiesen, Abwanderung von Kiebitzen, Fasanen, Feldlärchen und Störchen. Die Naturparkbewirtschaftung scheint jedoch nicht nur die Natur einzugreifen. Von durch den steigenden Grundwasserspiegel entstandenen Schäden an Gruben und Fundamenten wird ebenso berichtet wie von im Sumpf steckenbleibenden Rindern und Pferden. Die anwesenden Pferdewirte wiesen darauf hin, dass sie Heu aus ganz Europa per LKW in die Nuthe-Nieplitz-Niederung transportieren müssten, da die eigene Heuproduktion aufgrund der Bewirtschaftungsvorgaben nicht mehr die notwendige Futtermittelqualität erreiche. Dies stieß bei Daniel Mühlner auf völliges Unverständnis: „Es kann nicht sein, dass unsere Pferdehöfe Heu aus ganz Europa in unsere Region mit entsprechenden Emissionen transportieren lassen müssen, obwohl wir gleich gute oder bessere Produkte vor Ort erzeugen könnten. Hier muss dringend eine Balance zwischen Umwelt- und Naturschutz im engeren und weiteren Sinne geschaffen werden.“ Mühlner plädierte auch für einen Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Bei den hier zu Tage tretenden widerstreitenden Interessen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz könne nicht nur und ohne Reflexion der Naturschutz im engeren Sinn bedient werden. Die wirtschaftliche Tätigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe und deren betriebswirtschaftliche Basis müssten berücksichtigt werden. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass mit der aktuellen EU- Förderperiode 2014 bis 2020 die gemeinsame Argrarpolitik der Europäischen Union neu ausgerichtet würde und sich dadurch das Prämiensystem für die landwirtschaftlichen Betriebe ändere. Künftig erhielten die Betriebe neben der Basisprämie eine sogenannte Greening- Prämie für Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden. Mühlner bezeichnete es zudem als wünschenswert, wenn die Vorhaben des Naturparkes den Bewohnern und Landwirten rechtzeitig bekannt gegeben und mit ihnen im Vorfeld abgestimmt werden. Deutlich äußerte sich Mühlner auch zu den Fördergeldern: „Die EU-, Bundes- und Landesmittel müssen mehr als bisher eine Zweckbindung erfahren. Fördermittel sind in erster Linie für den Umwelt- und Naturschutz da. Sie können nicht zur Folge haben, dass Fördervereine zu Großgrundbesitzer werden und diese Position nutzen, um Druck auf die pachtenden Landwirte auszuüben.“
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